Der Paradiesfisch - Makropodus opercularis

Sie saugen anderen Fischen die Augen aus, zerfressen sie bei lebendigem Leibe und jagen sie zu Tode – so oder so ähnlich wird oft über die Makropoden in verschiedenen Foren geschrieben. Ich habe ganz andere Erfahrungen mit meinem Pärchen roter Makropoden gemacht und möchte diese gerne teilen.

Laut dem Mergus Aquarien Atlas ist der Paradiesfisch (Makropodus opercularis) der erste Tropenfisch nach dem Goldfisch der 1869 nach Europa importiert wurde. Seine Heimat sind die Reisfelder Ostasiens. Makropoden sind Labyrinthfische, was zur Folge hat, dass sie regelmäßig an die Wasseroberfläche kommen um dort atmosphärische Luft zu atmen. Wenn sich die Paradiesfische wohl fühlen, ist die Zucht recht einfach. Es ist interessant sie beim Bau ihres Schaumnestes, der Eiablage und der Pflege der Brut zu beobachten.

Für mich ist der Paradiesfisch bei entsprechender Beckengröße und Vergesellschaftung ein guter Anfängerfisch, der viel zu bieten hat. Neben dem interessanten Fortpflanzungsverhalten sind sie zudem sehr dankbare Aquarienbewohner. Sie fressen fast alles, sind robust und auch noch nett anzuschauen. Es gibt schwarze und rote Makropoden (Paradiesfisch), sowie eine albinotische Form.
















Ich werde euch die Makropoden, ihre Haltung, Zucht und so weiter anhand meines liebsten Makropodenpaares vorstellen. Ihre Namen sind Franzl und Sissi, nach dem österreichischen Kaiserpaar, da ihre Zuneigung zu einander ebenso innig ist.


Franzl ist ein imposantes rotes Makropoden-Männchen mit einer Länge von ungefähr 10 cm. Er ist ein gelassener Vertreter seiner Gattung. Er hat ein kleines Revier im Becken abgesteckt, das er auch verteidigt. Doch er wird außerhalb dieses Gebietes so gut wie nie ruppig und jagt nur sein Weibchen durch das Becken. Alle anderen Fische bleiben völlig unbehelligt. Er liebt seine Sissi sehr. Das krankheitsbedingte Umsetzen in ein anderes Becken ohne seine Sissi hätte ihn fast das Leben gekostet. Der sonst so gefräßige Makropode verweigerte die Nahrungsaufnahme sofort. Erst als Sissi nach einigen Tagen zu ihm ins Becken zog, begann er nach großer Wiedersehensfreude (mit Zucken und Flossen aufstellen und allem was dazu gehört) ordentlich zu fressen und die Genesung trat bald ein.











Sissi ist eine emanzipierte Makropoden-Damen. Zwar muss auch sie sich an die obligatorische Rollenverteilung während des Balzspiels halten, lässt sich aber sonst nicht die Butter vom Brot nehmen. Auch, wenn sie Franzl oft die kalte Flosse zeigt, ist ihre Zuneigung zu dem alten Haudegen doch sehr tief. Als er krankheitsbedingt in einem anderen Beckenuntergebracht war, war sie durch nichts zu trösten und schwamm völlig aufgelöst durch das Aquarium. Sogar fressen wollte sie nicht, was so gar nicht ihre Art ist, denn normalerweise kann sie an keinem Bissen Futter vorbei schwimmen. Erst durch die Zusammenführung mit Franz fand sie ihren überaus gesunden Appetit wieder.









Wie die Makropoden im Aquarium leben

Die Makropoden Haltung:

Die Paradiesfische brauchen für die optimale Haltung viel Platz. Bei mir leben sie in einem 120 Liter Becken. Das ist meiner Meinung nach die unterste Liter-Grenze für ihre Haltung. Wer mal gesehen hat, wie Franzl die gute Sissi durch das Becken jagt, wenn er in Laichstimmung ist, wird es verstehen. Um dem entgegen zu wirken sind zumindest einige Stellen im Becken mit dichtem Pflanzenbewuchs unbedingt nötig. Am liebsten mögen die beiden Schwimmpflanzen. Franzl hat unter einem Schwimmenden Hornfarn (Ceratopteris pteroides) sein Revier von ungefähr 30 cm² eingerichtet. Sissi hat auf der gegenüber liegenden Seite des Aquariums ihre Rückzugsmöglichkeit in einem Brasilianischen Wassernabel (Hydrocotyle leucocephala) und jeder Menge Hornkraut (Ceratophyllum demersum). So eine Aufteilung hat in meinem Becken die Lage sehr entspannt. Sichtsperren im Aquarium durch höhere Deko-Elemente, wie bewachsene Holzwurzeln, sorgen zusätzlich für Privatsphäre. Ich konnte zudem Beobachten, dass Franzls Schwanzflossen innerhalb weniger Wochen noch ein gutes Stück gewachsen und formschöner geworden sind, seitdem er in meinem Becken anstatt im kleinen Aufzuchtbecken des Händlers lebt.

Je weniger Oberflächenbewegung, umso besser für Franzl und Sissi. Der Schaumnestbau und das Schlummern unter Schwimmpflanzen sind so besser möglich. Zur Sicherheit ist eine Aquarienabdeckung unbedingt nötig. Paradiesfische springen nämlich sehr gerne, da scheppert es schon mal unterm Deckel. Wenn ein Fisch rausspringt und länger nicht bemerkt wird, kann das sein sicheres Ende bedeuten. In welchem Beckenbereich fühlen sich die Makropoden am wohlsten

Franzl und Sissi nutzen in meinem Becken eigentlich alle Bereiche. Am liebsten dösen die beiden unter Schwimmpflanzen. Auch, weil es praktisch ist, da sie als Labyrinthfische ja ständig atmosphärische Luft holen müssen. Aber sie lieben es auch Mooskugeln und Javamoos nach Fressbarem zu durchstöbern. Prinzipiell wird alles neugierig inspiziert. Je abwechslungsreicher die Gestaltung des Beckens, umso glücklicher die Paradiesfische. Wobei das wohl für die meisten Fische zutrifft.






Die Makropoden-Wohlfühl-Temperatur:

Laut Mergus Aquarien Atlas fühlen die Paradiesfische sich bei Temperaturen zwischen 16-26°C am wohlsten. Franzl und Sissi haben kuschelige 24°C, weil der Restbesatz im Becken kälteres Wasser nicht verträgt.

Was Makropoden gerne Fressen:

Franzl und Sissi fressen so gut wie alles und so gut wie immer. Sie begnügen sich gerne mit dem üblichen Flockenfutter für Zierfische. Aber lieber mögen sie natürlich Frost- oder Lebendfutter. Alles, außer Cyclops, erfreut sich bei den beiden großer Beliebtheit. Vegetarische Ernährung lassen sie allerdings nach meinen Beobachtungen links liegen. Ich habe die beiden Paradiesfische dabei ertappt, wie sie kleine Schnecken aus ihren Häuschen saugen und genüsslich verspeisen. Mit Vorliebe klauen sie den Panzerwelsen die FD-Tabletten, schleppen sie im Maul durch das ganze Aquarium und fressen sie dann heimlich in einer Ecke. Sie erweisen sich dabei als wahre Bluthunde und finden die Tabletten auch, wenn sie gut versteckt sind.

Das Familienleben und die Paarung der Makropoden:

Franzl baut zwischen den Schwimmpflanzen täglich an seinem Schaumnest. Dafür holt er Luft, taucht ab und lässt dann die Blasen an die Wasseroberfläche steigen. Seine ersten Versuche waren nicht so schön, aber inzwischen hat er den Bogen raus und sein Schaumnest ragt teilweise einen Zentimeter über die Wasseroberfläche hinaus.

Die meiste Zeit blubbert Franzl lustlos ein paar Blasen hier und da zusammen. Doch ungefähr ein bis zwei Mal im Monat ist es dann soweit: Die Paarung der Paradiesfische beginnt!

Das ist ein sehr interessantes Unterfangen. Es beginnt damit, dass Franzl schaumnesttechnisch alle Register zieht. Es wird geblubbert und geformt bis das Nest perfekt ist. Plötzlich werden seine blauen und roten Streifen ganz farbintensiv. Mit aufgefächerten Flossen schwimmt er imponierend auf Sissi zu. Er entwickelt sich zu einer schillernden Schönheit, während es Sissi im Optimalfall die Farbe verschlägt. Je heller sie ist, umso mehr erliegt sie seinen Verführungskünsten. In dieser Phase jagt er sie oft ein bisschen und sie stellt sich seitlich zu ihm um ihren Bauch zu präsentieren – eine Unterwürfigkeitsgeste. Irgendwann bekommt sie den sogenannten Operkularfleck. Das ist ein dunkler Streifen der sich von ihrem Auge zu ihren Kiemen zieht.

Nach langem Hin- und Her lässt Sissi sich schlussendlich doch immer wieder auf den charmanten Macho Franzl ein. Dann schwimmen sie gemeinsam in sein Revier unter das Schaumnest und umschlingen sich liebevoll. Dabei stößt Sissi ihre Eier ab, die von allein nach oben in die Blasen treiben. Dieser Vorgang wird oft wiederholt. Franzl und Sissi haben dabei eine Vorliebe für die Abendstunden.

Sind die Eierabgelegt, wird Sissi aus dem trauten Bett geworfen und tut gut daran das Weite zu suchen. An der weiteren Brutpflege ist sie nicht beteiligt. Franzl beginnt nun alle Eier ordnungsgemäß in das Schaumnest zu überführen und gegebenenfalls Ausreißer einzufangen. Möchte man gezielt züchten, empfiehlt es sich die Eier nun vorsichtig abzuschöpfen. Mehr zur Aufzucht im separaten Beitrag.

Bei 24°C schlüpfen die Larven der Paradiesfische nach ungefähr 24 Stunden. Auch dann bleiben sie noch im Schaumnest oder dessen Nähe und werden von Franzl beschützt. Die ersten zwei bis drei Tage ernähren sie sich von ihrem Dottersack. Danach fangen sie an sich auf den Weg durch das Aquarium zu machen und Franzls Beschützerinstinkt erlischt. In den meisten Fällen fallen die Larven dann den anderen Bewohnern zum Opfer. Überlebenschancen haben sie nur in einem separaten Aufzuchtbecken.












Geschrieben von AliceWu um 2013-03-25 11:53:40

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